Weihnachtsgedicht für alte Menschen


Am Heiligen Abend beim Kerzenschein,
fällt einsamen Menschen so vieles ein.
So denkt man an die Kinderzeit zurück,
voll froher Erwartung, hoffte auf großes Glück.

Die Mama, der Papa, die Oma, der Opa
und alle Geschwister, die waren noch da.
In fröhlicher Runde am Lichterbaum,
ach könnt`s noch so sein, wenn auch nur im Traum.

Die eigenen Kinder waren lustig und wild,
das sieht man auch noch auf manchem Bild.
Danach ging die Zeit mit den Enkeln los,
doch die Zeit ist vorbei, auch die sind schon groß.

Aber schön war die Zeit, was auch immer gescheh`n,
wie es weiter geht, das werden die Jüngeren seh`n.

Weißt Du noch, das erste Weihnachtsfest,
nach unsrer Flucht von Ost nach West?
Das erste Geld, der erste Lohn,
die gute Arbeit für den Sohn?

Wir fingen ganz von vorne an
und dachten an den Weihnachtsmann.
Was sollte er den Enkeln bringen?
Uns fehlte es an allen Dingen.

Die neue Wohnung würde uns viel kosten,
allen Hausrat ließen wir im Osten.
Von Freunden einen Kocher, Geschirr und Luftmatrazen,
auch ein paar Decken konnten wir zusammenkratzen.

Doch ach die Kinder, womit soll`n wir sie begrüßen?
Sie hatten selber nichts, sie kamen grad` aus Gießen.
Unsere Wohnungen, die standen alle leer.
Da sagtest Du: „Ein Baum muss her!“

Einen Weihnachtsbaum konnte man kaum erschwingen,
doch er war wichtig, er vor allen Dingen.
Den kleinsten, billigsten schlepptest Du dann an.
Nun konnt` er kommen, für die Kids, der Weihnachtsmann.

Bescherung nach dem Weihnachtsmahl,
es gibt Geschenke, ohne Zahl.
Die große Margarethe
verteilt schon die Pakete.

Der elfte Teddy für den Jan
und wohl die fünfte Eisenbahn
und Knut, der große Bruder
bekommt einen Computer.

Ganz hinten in der Ecke
mit meiner neuen Decke
sitz ich dabei und denke
an frühere Geschenke.

Ich werd` nicht den Gedanken los,
war`n diese damals auch nicht groß,
die Freude war nicht minder,
auch wir war`n frohe Kinder!

Ich glaube auch im Altenheim,
da kann die Weihnacht sehr schön sein.
Viel schöner als allein zu Haus,
da weint man sich die Augen aus.

Hier ist man einfach abgelenkt
und auch ein Jeder wird beschenkt.
Und singt dann immer wieder
die schönsten Weihnachtslieder.

Ich weiß, er sitzt da ganz allein
und trinkt ein Glas vom guten Wein,
denkt an die alten Zeiten,
lässt die Gedanken gleiten.

Wie schön es war mit seiner Frau,
kenn` die Gedanken ganz genau.
Auch ich bin heute einsam.
Wie wär`s, wenn wir gemeinsam …?

Ich zünde jetzt zwei Lichter an
und klingle einfach nebenan.
„Lass heute uns nicht einsam sein
und teile Deinen guten Wein!“

Weihnachten war nicht immer schön,
da brauch ich nur zurück zu sehen:

Der Vater war im Kriege
und auf der Hinterstiege
hockten wir fünf Kinder
und es war kalter Winter.
Der Ofen kalt
und Klaus wollt im Wald
nur ein paar Zweige klauen,
da hat ihn der Förster verhauen.
Es war die Zeit der größten Not,
ein jeder saß da mit seinem Kanten Brot.

Und plötzlich, wie von Engelsstimmen
fing die Mutter an zu singen.
Da stimmten wir alle froh mit ein,
ach könnt` bald wieder Frieden sein.

Ich sitze da im Kerzenschein,
da fällt mir eine Begebenheit ein.
Mein Vater war erst vom Krieg zurück,
er war noch am Leben, das war unser Glück.

Wir Kinder hatten beim Christkind nichts bestellt,
wir wussten es, es hatte niemand Geld.
Da kam der Spruch aus Peters Mund:
„Hauptsache wir sind alle gesund!“

Am Heiligabend, es war bitterkalt.
Vater holte noch schnell einen Baum aus dem Wald.
Mutter suchte nach Wachskerzen, da und hier
und wir bastelten Ketten aus buntem Papier.

Die Kerzen brannten und gute Gerüche
lockten uns Kinder dann in die Küche.
Da lagen auf einem schönen Tuch
ein Gutschein und ein älteres Buch.

Das Buch, das war für den Großen gedacht,
der Gutschein war für den Peter gemacht.
Nur ich konnt` für mich gar nichts finden,
fühlte meine Beherrschung schwinden.

Da dreht mich mein Vater zu einer Ecke
und wisst Ihr, was ich da entdecke:
eine Puppenstube für mich allein.
Ich glaubte erst, das kann gar nicht sein.

Dass es nur ein Karton war, das war mir gleich,
die kleinen Möbel geliehen von Frau Reich.
Kleine Püppchen noch die Mutter fand,
ich fühlte mich wie im Schlaraffenland.

Lass es nicht zu, dass Dich Erinnerungen runter ziehen.
Der Vergangenheit kannst niemals Du entfliehen.
Genieß das Weihnachtsfest im Kreise froher Leute,
und Du erlebst bewußt das Hier und Heute.

Freue Dich, solang der Kerzenschein
Dich wärmt bis in Dein Herz hinein.